Durchsuchung
Vor einer Woche stand das BKA (zu Dritt, in Zivil, bewaffnent) vor meiner Tür.
"Wir würden uns gerne mal in Ihrer Wohnung umsehen." Zum Glück hatte ich nicht
aufgeräumt, das haben die dann erledigt. ;)
Ein einzigartiges Erlebnis, das ich an dieser Stelle teilen möchte. Auch wenn
es nicht grade angenehm ist früh morgens geweckt zu werden und dann drei
geladene Schusswaffen (samt zugehörigen Polizisten) sowie einen Nachbarn als
Zeugen in der Wohnung zu haben.
Wie der eine oder andere vielleicht weiß, betrieb ich auf meinem Server eine
Tor-Exit-Node. Tor ist ein Anonymisierungsdienst
der es z.B. Netzbenutzern in Ländern mit Zensur ermöglichen soll, diese zu
umgehen und frei zu kommunizieren. Jetzt gibt es nunmal Leute die meinen damit
böse/schlimme/illegale Dinge zu tun. Dann steht die IP der Exit-Node im
Log-File und dessen Betreiber bekommt dann Besuch. So auch in diesem Fall.
Ob es Absicht war, dass die Durchsuchung ausgerechnet an einem Tag vorgenommen
wurde an dem im Bundesland meines Anwalts grade Feiertag war, wage ich jetzt
nicht drüber zu spekulieren. Jedenfalls hatten die ne Dicke Akte dabei auch
mit Briefen meines Anwalts (Stellungnahmen zu anderen Fällen, die Tor betrafen).
Also gründlich waren sie ja. In jedem Zimmer wurde gesucht, in jedem Schrank
und im Keller. Katzenklo und mich selber haben sie aus irgendeinem Grund
nicht durchsucht. Und alles was nach beschreibbarem bzw. beschriebenem Datenträger aussah, inklusive MP3-Player, externer USB-Festplatte, USB-Stick,
Speicherkarten usw. wurde mitgenommen. Sowie sämtliche laufende Hardware
(Notebook, Server, WLAN-Router samt passendem Kabel, ...) bis auf den
19-Zoll-CRT. Alles wurde in einen Umzugskarton gepackt der dann mit versiegelt
wurde. Mit äußerst vertrauenserweckenden Siegeln die sich schon beim ansehen
spurlos ablösten.
Meinen alten Webserver (nicht bei mir Zuhause aber im Rechenzentrum, daher
die Notwendigkeit für einen neuen, diesen, Webserver) wurde gesperrt. Ob er
sich noch im RZ befindet, weiß ich nicht. Jedenfalls kann ich mir einen zweiten
"richtigen" Server grad nich leisten und hab stattdessen jetzt einen V-Server
dazubestellt. Der ist dummerweise nicht leistungsstark genug, um da einen
Tor-Server drauf zu tun. :/
Es wurden auch Fotos gemacht und fleißig in ein Notizbuch geschrieben. Beim
Fotografieren wurde genau darauf geachtet, dass niemand im Bild zu sehen war.
Am Schluss war ich dann um einen Durchsuchungsbeschluss, ein
Durchsuchungsprotokoll (Durchschlag) und zwei Umzugskartons (WTF? Hatten die
geglaubt mehr abstauben zu können?) reicher. Die Kartons stehen jetzt bei mir
(noch zusammengefaltet) rum. Ich werde das einfach mal als ein Geschenk
betrachten.
Was lernen wir daraus? Es reicht anscheinend durchaus, einen Webserver mit
Tor-Exit-Node zu betreiben um Besuch zu kriegen. Deshalb mein Aufruf an
alle Betreiber: Betreibt auch von Zuhause Tor-Exit-Nodes! Die kommen so oder
so irgendwann.
Um das Risiko für den Einzelnen zu minimieren muss es auf viele Nodes verteilt
werden. Deshalb: Betreibt mehr Nodes!

